Lern- und Gedenkort Hotel Silber, Dorotheenstr. 10, 70173 Stuttgart
Veranstalter: Initiative Lern- und Gedenkort Hotel Silber e. V., Zukunftswerkstatt Zuffenhausen
Vortrag und Gespräch mit Prof. Dr. Benigna Schönhagen, Universität Tübingen und Inge Möller, Zukunftswerkstatt Zuffenhausen
Ihre Anmeldung per Email unter anmeldung@hotel-silber.de hilft uns bei der Planung.
Der Vortrag thematisiert die Opfer der Zwangsarbeit unter den unterschiedlichen Opfergruppen, die in die Tübinger Anatomie kamen. Er zeichnet zudem die Rolle der Anatomen für die NS-Gewaltherrschaft nach und skizziert den Umgang mit ihrer Verstrickung in die Verbrechen nach 1945.
Im Gräberfeld X spiegeln sich verschiedene Tatkomplexe der NS-Gewaltherrschaft im deutschen Südwesten. Das Gräberfeld auf dem Tübinger Stadtfriedhof diente von 1849 bis 1963 als Begräbnisstätte des Anatomischen Instituts der Universität Tübingen. In der NS-Zeit, insbesondere nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde es zu einer verschwiegenen Entsorgungsstätte für Opfer nationalsozialistischer Gewaltverbrechen. Unter den über 1000 Toten, die zwischen 1933 und 1945 von Tübinger Anatomen für die Ausbildung zukünftiger Ärztinnen und Ärzte sowie für die Forschung benutzt wurden, waren auch viele Zwangsarbeiter und einige Zwangsarbeiterinnen. Die meisten stammten aus Osteuropa, einige auch aus westlichen Ländern.
Sie waren entweder verfahrenslos von der Gestapo exekutiert oder von einer radikalisierten NS-Justiz zum Tode verurteilt und in Stuttgart hingerichtet worden. Andere waren als Insassen von Arbeitserziehungslagern oder Gefängnissen bei der Zwangsarbeit zugrunde gerichtet worden. Justizhäftlinge bilden eine noch kaum beachtete Opfergruppe.