Film „Riefenstahl“. In Anwesenheit der „Bildfinderinnen“ und Rechercheurinnen Monika Preischl + Christiane Caemmerer

Mi., 12. März 2025, 19:00 Uhr
Glockenkelter, Hindenburgstr. 43, 71394 Kernen
Veranstalter: Allmende, Kommunales Kino, Geschichtswerkstatt

Wir schreiben das Jahr 1933. Die soeben an die Macht gekommene NSDAP erkannte von Anfang an die Bedeutung von Radio und Film für die Verbreitung ihrer Ideologie in der deutschen Bevölkerung. Neben der sofort vollzogenen Gleichschaltung des Rundfunks entwickelte sie auch mobile Filmvorführeinheiten, die über die Lande zogen und in jedem Dorf monatliche Filmvorführungen organisierten. In Stetten fanden diese in der Glockenkelter statt, die ab Mitte 1933 zum NSDAP Parteilokal umgebaut worden war.

Gezeigt wurden hauptsächlich Unterhaltungsfilme wie „Quax der Bruchpilot“ (mit Heinz Rühmann) oder „Ruf der Berge“ mit Luis Trenker. Die Nazi-Ideologie wurde durch die vor dem Hauptfilm gezeigten „Wochenschau“ transportiert. Oder in reinen Propagandawerken einer Filmregisseurin, die in genialer Weise neue ästhetische Formen mit der Nazi-Ideologie verband: Leni Riefenstahl. Ihre Filme über den NSDAP-Reichsparteitag 1934 in Nürnberg und die Olympischen Spiele 1936 in Berlin wurden in der Glockenkelter gezeigt.

Nun kehrt Riefenstahl nach 90 Jahren nach Stetten zurück, in Gestalt der 2024 in die Kinos gekommenen Dokumentation „Riefenstahl“ des aus Stuttgart stammenden Regisseurs Andres Veiel. Grundlage des von Sandra Maischberger produzierten Films sind 700 Umzugskartons aus dem Nachlass der 2003 verstorbenen Filmemacherin, in denen sich Briefe, Fotografien, Kassetten und Filmschnipsel befanden. Sie wurden in akribischer Arbeit von einem ganzen Team ausgewertet und inventarisiert, zu dem auch „Bildfinderin“ Monika Preischl und Literaturwissenschaftlerin Christiane Caemmerer gehörten. Beide sind zur Vorführung des Films anwesend und berichten über ihre Erfahrungen.
Der Film ist ein sorgfältig zusammengestelltes, spannendes Puzzle einer widersprüchlichen Künstlerin: „Visionärin? Manipulatorin? Lügnerin?“ fragt das Filmplakat programmatisch. Ein Film über die Macht der Bilder und die Verführungskraft eines totalitären Regimes.
Als Vorfilm zeigen wir Ausschnitte aus dem Allmende-Film „Oma, i will a Schmalzbrot“ über die Geschichte der Glockenkelter in Stetten und die NSDAP-Filmvorführungen Mitte der 1930er in diesen Räumlichkeiten.
Eine Veranstaltung von Allmende Stetten, Kommunales Kino Kernen und David-Pfeffer-Geschichtswerkstatt.
Eintritt: 8 Euro, erm. 5 Euro, Jugendliche und Studierende frei.

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